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Verbotene Luftschlösschen

Wir sitzen am Küchentisch und ich habe die schöne Tasse in der Hand; von deiner Mutti. Sie ist rosa, so wie eure Küche. Ein gemütliches Altrosa, erhellt durch einen Kronleuchter, der in elegantem Silber von der Decke baumelt. Meine zittrigen Finger umklammern sie.

Wir sitzen uns gegenüber. Der Kaffee tröpfelt durch die Maschine.

Eigentlich trinke ich keinen Kaffee. Nur wenn Du da bist.

Als ob mein Herz nicht schon stark genug gegen meinen Brustkorb schlägt ... Du lachst. Das mag ich.

Ich mag sovieles an Dir. Aber das darf ich nicht.

Du bist jetzt aufgestiegen in deiner Firma, erzählst Du. Machst Karriere. Überschwänglich sprichst Du in den höchsten Tönen. Währenddessen wandert mein durstiger Blick auf deine Schultern, wie sie stark beben bei jedem Wort, dass du meinem treuen Blick entgegenwirfst. Deine großen Hände unterstreichen mit Gesten jede Silbe und ich beobachte wie sich deine samtigen Lippen an die lexikalischen Satzglieder schmiegen. Wir sprechen nur über Dich. Nebenbei muss ich deinen verführerischen Blicken trotzen. Ich darf das nicht... Bevor ich in Trance fallen kann, brüllst Du. KEULE!

Dabei lächelst Du dieses verspielte, große Lächeln. Du siehst damit aus wie ein Bär. Aus deinem Mund klingt das Wort so vertraut. Eine Art liebevoller Kosename. Du sagst ihn zu allen Freunden, Kumpels. Nur nicht zu mir. Was bin ich? Du sagst, ich sei' deine beste Freundin. Ach, bin ich das? Was knistert da zwischen uns? Ich darf das nicht denken...

Unsere Unterhaltung wird lebendig. Ich mag deinen Humor. Du bringst mich zum Lachen. Das ist gut. Das tun Freunde so. Du sprichst von Deinen Jungs, wie ihr pokert, feilscht und euch gegenseitig die schönsten Mädchen andichtet.

Es ist spät. Der Mond scheint durch das Fenster. Und noch immer habe ich schützend die Tasse in der Hand. Noch immer bringst Du mich zum Lachen. Mein Bauch tut weh von den vielen Krämpfen, Anfällen. Ich habe Schluckauf. Das ist es wert. Mitten im Dezember rauscht der Winter durch die Vorhänge. Ich denke an Dich. An das 'uns'. Darf ich das?

Bestimmt kann ich nicht schlafen.


Ich ziehe meine Jacke an. Im Flur streift der Hund um meine zarten Beine. Großer, dummer Hund. Den mag ich. Aber nicht so wie Dich. Wir hätten ein so schönes WIR sein können. Aber du wolltest ein Du. Ohne ein ICH. Noch einmal sehe ich zu Dir auf. Wie Du stattlich gewachsen, mit zurück frisierten Haaren und wachem Blick auf mich niederschaust. Ich werde das vertraute vermissen in Deinen stahlblauen Augen. Deine großen Hände, wie sie sanft über meine Wange streicheln. Wie Dein Daumen über meine Halsschlagader streift, so vorsichtig, als sei' ich aus Porzellan. Oder wie du mir behutsam die letzte Strähne aus dem Gesicht streichst, während ich im Türrahmen stehe.

All' das werde ich vermissen. Auch wenn ich das nicht darf.


Ich hätte alles für Dich getan.


Mein Blick fällt stur gerade aus. In den peitschenden Regen. Ein letztes Mal drehe ich mich zu Dir um.

Du siehst erleichtert aus. Mein Herz blutet. Aber das siehst Du nicht. Nie mehr.

Denn alles was wir taten, alles was wir uns erträumten, jedes noch so winzige Luftschlösschen war verboten. Trotzdem haben wir es getan; der Liebe wegen. Vielleicht behalte ich sie, die Luftschlösschen. Für mich ganz allein.


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